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Für seinen Zineday, der mit Philipp Weishaupt 2023 Vizeeuropameister wurde, ehrte das Stammbuch Franz-Georg Ottmann (Mi.) als Züchter der Jahres.

© Alexandra González/Reiter & Pferde in Westfalen

Delegiertenversammlung Westfälisches Pferdestammbuch

Die schwarze Null steht

In einer harmonischen Versammlung legten die Hauptamtlichen des Westfälischen Pferdestammbuchs die Zahlen des abgelaufenen Jahres und den Plan für 2024 vor.

Traditionell startete die Delegiertenversammlung des Westfälischen Pferdestammbuchs in Münster-Handorf mit einem persönlichen Rück- und Ausblick des Vorsitzenden Ralf Johanshon. Im 120 Jahr des Bestehens des Stammbuchs, das im Juli mit einem großen Event in Münster gefeiert werden soll, ging Johanshon auf die sich wandelnde Bedeutung des Pferdes für die Gesellschaft ein. 
Bei Gründung des Stammbuchs sei noch Kaiser Wilhelm II im Amt gewesen und das Pferd in erster Linie ein Nutztier für Transport, landwirtschaftliche Arbeiten und den Kriegsdienst. Mit der Motorisierung verlor das Pferd immer mehr an Bedeutung, bis hin zur Bestandskrise der 1960er Jahre. Heute leben in Deutschland 300 000 Menschen vom Business rund ums Pferd. Das Pferd hilft bei der Inklusion, der Erziehung, ist Leidenschaft vieler in Sport und Zucht und bereitet Freude, so der Vorsitzende.  

Doch er mahnt, die Pferdezucht und den Sport zu verteidigen. Sachkenntnis und Expertise seien nötig, um sich nicht die Deutungshoheit nehmen zu lassen. Es gehe aber zugleich darum, schwarze Schafe zu identifizieren und zu sanktionieren. Sie dürften nicht das Bild von Pferdezucht und Reitsport in der Gesellschaft bestimmen. 
 

Das Stammbuch werde auch zukünftig hart durchgreifen, wenn es Verfehlungen erkennt. Johanshon erklärte den Kampf gegen Missbrauch des Pferdes und unlautere Methoden zu seinem persönlichen Anliegen und forderte alle am Sport, der Zucht und der Haltung von Pferden Beteiligte dazu auf, dabei zu helfen.

Entwicklungen in den Populationen
Zuchtleiterin Katrin Tosberg stellte die Zahlen des Jahres 2023 vor. Sie wurden bereits in der März-Ausgabe von „Reiter & Pferde in Westfalen“ ausführlich dargestellt. Hier noch einmal die Kurzfassung: Eine positive Entwicklung nahm die Mitgliederzahl, die auf 8 752 anstieg. Bei der Gesamtzahl der Stuten musste das Stammbuch einen Rückgang von -2,5 %, hinnehmen und liegt nun bei insgesamt  8 591 eingetragenen Stuten. Die Zahl sei aber noch nicht korrigiert, wie Tosberg betonte.  2023 konnten 5 427 Fohlen registriert werden. Auf 33 Schauen wurden insgesamt 1 400 Stuten und Fohlen vorgestellt, das bedeutete keinen Rückgang gegenüber 2022 In ihrem Rückblick kam Tosberg auch noch einmal auf die Überwachung der Körveranstaltungen durch das NRW-Ministerium und die Veterinärämter zu sprechen. Man stehe nach wie vor unter starker Beobachtung.  Kritik hatte es vor allem an der Praxis des Longierens gegeben, weshalb das Prozedere modifiziert worden war. Nun hofft man, dass das Longieren in der neuen Ausführung beibehalten werden darf. 

Eine persönliche Herausforderung sieht die Zuchtleiterin in der Erstellung der seit langer Zeit gewünschten Gesundheitsdatenbank. „An ihr sind schon Zuchtleiter vor mir gescheitert, aber ich will es schaffen“, bekräftigte sie.

Im Fokus stehen in diesem Jahr auch die Jungzüchter, bei deren Beteiligung es besonders wegen der Pandemie große Einbußen gegeben hatte. Nun wurde ein neuer Vorstand gewählt (s. R&P 4/2024, S. 57). Das Hauptamt hat sich vorgenommen, mehr Angebote für diese Gruppe zu schaffen, ist dabei allerdings auf die Unterstützung aus den Kreisen angewiesen. Daher trug Tosberg ihre Bitte um Ideen und Aktivitätsvorschläge an die Ehrenamtler heran.

Entwicklung der Vermarktung
Nach dem sensationellen Verlauf des Jahres 2022 hatte Zuchtleiter und Vermarktungschef Thomas Münch es bereits bei der Delegiertenversammlung 2023 angekündigt: „Das wird nicht so bleiben!“ Im Bereich der Fohlenverkäufe konnte das Ergebnis allerdings fast gehalten werden, von 487 angebotenen Fohlen wurden 380 zu einem Durchschnittspreis von 11 180 € verkauft. Zum Vergleich: 2022 wurden 399 der 471 angebotenen Fohlen für durchschnittlich 10 471 € verkauft. Besonders die Turnierfohlenauktionen laufen nach wie vor gut, sodass 2024 zwei neue Standorte hinzukommen sollen: das Balve Optimum und das CSI in St. Gallen.

Einen Einbruch gab es bei den Youngster-Auktionen. Hier wurden neun Veranstaltungen durchgeführt (2022: 14), die einen Umsatz von knapp 1,7 Mio. Euro brachten (2022: 2,8 Mio. €). Die 141 verkauften Pferde kosteten im Durchschnitt 11 966 € gegenüber 188 verkauften Youngstern 2022, die im Schnitt 15 015 € brachten.

Einen Rückgang der Umsätze verzeichneten auch die Reitpferdeauktionen und der Hengstmarkt. 2023 konnten 162 der 199 angebotenen Reitpferde verkauft werden. 2022 waren es 202 von 248 Der Durchschnittspreis sank von 28 863 € auf 27 739 € im vergangenen Jahr. Beim Hengstmarkt übertraf das Angebot 2023 mit 64 Hengsten jenes aus dem Jahr 2022, als 54 Hengste angeboten wurden. Die 2023 47 verkauften Hengste brachten einen Umsatz von 3,47 Mio. €. 45 Hengste hatten 2022 zu 4,64 Mio. € Umsatz geführt. Unter dem Strich belief sich der Umsatz aus den 41 Auktionen, bei denen 766 Pferde und Fohlen abgesetzt werden konnten, auf knapp 14 Mio. €. 2022 waren 881 Pferde für 18 Mio. € verkauft worden. Allerdings sank der Anteil des Hengstmarkts am Gesamtumsatz noch einmal von 26 % im Jahr 2022 auf 24 % im vergangenen Jahr, ein Ergebnis, das zur Stabilisierung der Vermarktungsbemühungen beiträgt.

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